Anfänge

Geboren wurde ich am 29. Januar 1959 zu Hause – 94 Northfield Farm Avenue, Edinburgh, im elterlichen Schlafzimmer, um ganz genau zu sein. Bezüglich des Zeitpunkts meiner Geburt weiß ich allerdings nicht so genau bescheid. In meiner Geburtsurkunde steht 2 Uhr morgens, aber meine Mutter ist sich sicher, meinem Großvater, Fredrick Buglass, der gerade zu Besuch war, unmittelbar vor meiner Geburt eine Suppe gemacht zu haben. Ironischerweise arbeitete mein Vater beim örtlichen Standesamt und war derjenige, der die Details notierte.

Daher schätze ich, dass ich die Bühne des Lebens um 2 Uhr nachmittags betrat, gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen.

Feier zum 6. Geburtstag

Das waren glückliche Zeiten. Die kleine Doppelhaushälfte im Neubaugebiet verfügte über einen Garten, der groß genug für 2 Schildkröten war. Direkt hinter’m Haus standen Fertighäuser aus dem 2. Weltkrieg. Die Straße rauf gelangte man zum Fuße des Arthur Seat (Edinburghs Hausberg), bergab ging’s zum Strand von Portobello. Ab über den Gartenzaun und kurz darauf konnte man auf den Feldern Richtung Figgate Park Fasane jagen. Gegenüber lag der Schweinestall, der als heruntergekommener Spielplatz der Kinder der Gegend Karriere machen sollte.

Ich hatte 2 große Brüder; mein Vater war Beamter im gehobenen Dienst und arbeitete am Wochenende als Musiker, meine Mutter war Schreibkraft. Im vorderen Zimmer stand ein Klavier, das Esszimmer hatte ein Servierfenster und ein weißer Minicooper parkte vor dem Haus. Der Minicooper war eins von nur 3 Autos in unserer Straße. Das plus ein Gewächshaus, einen Geräteschuppen, einen Opa, der Golfhosen trägt und auch ganz passabel spielt, und einen zweiten, der im Krieg war, ergibt schon eine gute Kulisse für eine waschechte Kindheit in der Mittelschicht.

Dann kam die Katastrophe. Es war in den Sechzigern. Mein Vater erlag den Versuchungen eines jeden Musikers und verschwand mit einer jungen Frau. Er nahm das Klavier, das Auto und das Geld mit. Mir, meinen Brüdern und meiner armen Mutter blieb nur das Haus.

Großvater und ich

Leider war die „Mentalität der Sechziger“ etwas, das sich die Reichen im Fernsehen anschauten. Reale Menschen besaßen keinen Fernseher und keine Teppiche, und – außer im Todesfall – verließen sie auch ihre Frauen nicht. Meine Mutter, obwohl ihr sicherlich nichts vorzuwerfen war, zog sich in ein selbstgewähltes Einsiedlerdasein zurück. Sie erwähnte meinen Vater nie wieder, zerstörte alle Fotos, mied soziale Kontakte bis auf wenige, sehr gute Freunde und versuchte, dem Gehalt einer Teilzeit-Schreibkraft ein Leben abzutrotzen.

Mir kam unsere Situation in dieser Zeit immer wie „Orwell’sche Armut“ vor, das heißt, wie die Armut von Leuten, die zuerst viel besaßen und dann alles verloren. Aus meiner Sicht waren Musik, Mobilität, Geld, alle Dinge und Hoffnungen von einem Moment auf den anderen Vergangenheit. Wir behielten lediglich unseren Stolz, Glück und Intelligenz.

Morgens machten sich 3 Brüder Hand in Hand auf den Schulweg zur Grundschule Duddingston. Meine Mutter, aufgewachsen in einer Mietskaserne, konnte uns vom Schlafzimmerfenster aus sehen, bevor sie ihr neues, aber leeres Haus verließ und zur Arbeit ging. Bestimmt hat sie viel geweint, als ihr Blick auf das bleiche Gerippe des Gewächshauses und den alten Geräteschuppen fiel, auf jene unergründlichen Symbole der Männlichkeit, die in der Morgensonne verrotteten.

Morgens machten sich 3 Brüder Hand in Hand auf den Schulweg zur Grundschule Duddingston. Meine Mutter, aufgewachsen in einer Mietskaserne, konnte uns vom Schlafzimmerfenster aus sehen, bevor sie ihr neues, aber leeres Haus verließ und zur Arbeit ging. Bestimmt hat sie viel geweint, als ihr Blick auf das bleiche Gerippe des Gewächshauses und den alten Geräteschuppen fiel, auf jene unergründlichen Symbole der Männlichkeit, die in der Morgensonne verrotteten.

Für mich jedoch hatte die Schule begonnen.